Reisebericht vom Taunus nach Holland mit dem Gravelbike

Die Vorgeschichte:

Ich denke ich stelle mich am besten mal kurz vor damit ihr einen Eindruck von mir bekommt. Ich heiße Lars, bin 24 Jahre alt und komme aus dem schönen Taunus. Das Radfahren war seit ich denken kann schon immer ein großer Teil von mir, angefangen mit Mountainbiken in verschiedenen Bereichen bis hin zum Rennradfahren. Und dann kam noch die Faszination für Gravelbikes hinzu (man hatte ja auch noch nicht schon genug Räder in der Wohnung stehen 😃). Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr gefiel mir das ganze. So wuchs dann auch die Idee heran mein neues Gravelbike nicht nur für den Weg zur Arbeit und für sportliche Ausfahrten zu nutzen, sondern auch zum Bikepacking. Mir gefiel der Gedanke sich auf sein Rad zu setzen, nur das nötigste dabei, und dann einfach mal quer durch die Welt zu fahren. Und so entstand der Plan:

„Mit dem Rad von Eppstein nach Zandvoort ans Meer“

Die Vorbereitung:

Wichtig war natürlich erst mal das richtige Equipment zu haben. Das hieß bei mir 2 wasserfeste Packtaschen rechts und links auf dem Gepäckträger, einen wasserfesten Packsack in der Mitte des Gepäckträgers für Zelt und Schlafsack, sowie eine eine kleinere Klickfix Tasche am Lenker - für die wichtigsten Sachen wie Handy, Geld, Papiere und andere diverse Dinge, auf die man mal schnell zugreifen können muss. Die Route hatte ich mir schon mehrmals angesehen und auf dem Handy gespeichert. In den Packtaschen waren Dinge untergebracht wie 2 Sätze Radklamotten, ein Satz Freizeitklamotten, Campingkocher, Kulturbeutel etc.

Tag 1 - Endlich geht es los!

Nun war es endlich soweit, Sonntagmorgen, der Tag der Abreise. Nach einem ausgewogenen Frühstück ging es dann um 9 Uhr aufs Rad. Mensch was war das ein geiles Gefühl… Naja, zumindest bis mir nach 6 km mein Hinterreifen um die Ohren geflogen ist. Nun gut, ist ja nicht die erste Reifenpanne im Leben. Also alle Taschen wieder runtergeschmissen, Rad auf den Kopf gestellt, Hinterrad ausgebaut, neuen Schlauch rein und dann wieder alles zusammenbauen, man kennt es. Das Wichtigste war, sich davon nicht direkt entmutigen zu lassen, sondern sich zu sagen, „Shit happens, immerhin kann es ab jetzt nur noch besser werden 😃“. Mit dieser Einstellung, einem neuen Schlauch und einem Lächeln im Gesicht ging es dann wieder weiter. Über Bad Camberg, Limburg und Montabaur, bis ich dann endlich das erste mal den Rhein sehen konnte bei Mülkofen. Eins kann ich euch sagen, die ersten Kilometer bis zum Rhein waren wohl auch die anstrengensten. Immer wieder ging es steil Bergauf, dann kurz bergab und dann direkt wieder steil hoch. Da merkt man erstmal was man so alles auf seinem Rad mittransportiert. Aber all dem zum Trotz überwiegte einfach das Gefühl der absoluten Freiheit, der Aufbruch ins Ungewisse und der enorme Entdeckerdrang. Ich muss schon sagen, man nimmt seine Umgebung ganz anders wahr, wenn man nicht ständig auf die Uhr gucken und abschätzen muss, ob die Zeit noch reicht um nach Hause zu kommen. Als ich dann das erste mal den Rhein sehen konnte war das schon ein mega gutes Gefühl. Bei Mülhofen ging es dann über eine Brücke auf die andere Rheinseite. Von dort aus ging es dann noch bis nach Bad Breisig, wo ich dann meinen ersten Campingplatz für diese Tour ansteuerte. Es war ein kleiner aber feiner Campingplatz, etwas entfernt vom Ortsausgang am Waldrand gelegen. Zu meiner Überraschung hatte ich die Zeltwiese fast für mich alleine, die einzigen zwei anderen waren ebenfalls Bikepacker. Und da war es auch direkt schon wieder, dieses schöne Gemeinschaftsgefühl unter Radfahrern. Wir saßen zusammen vor unseren Zelten, kochten gemeinsam auf unseren Kochern und tauschten uns aus, wo wir schon waren, wohin es geht und auch der ein oder andere hilfreiche Tipp war dabei. Um 22 Uhr ca. ging es dann in den Schlafsack, mit schönen ersten Eindrücken und Vorfreude auf das was noch kommen mag.

Rhein Impressionen vom Rhein

Tag 2 - Die Reise geht weiter!

Am Montagmorgen um 8 Uhr ging der Wecker. Die Nacht war etwas unruhig, da es zwischendurch tatsächlich mal etwas stürmisch wurde und geregnet hatte. Nach einem kleinen gemeinsamen Frühstück mit den beiden anderen Bikepackern und dem Abbau des Zeltes ging es dann gegen ca. 9 Uhr weiter in Richtung Zandvoort. Allerdings erst noch mit zwei Zwischenstopps in Remagen. Zum einen musste ich mir zwei neue Ersatzschläuche besorgen, da meiner ja schon direkt zu Anfang benötigt wurde (Merke: Nehme immer mindestens zwei Ersatzschläuche mit 😃). Und im nächstgelegenen Supermarkt füllte ich noch meine Vorräte auf für den Tag. Mit dem unglaublich erleichternden Wissen wieder mit Ersatzschläuchen gewappnet zu sein, ging es dann weiter den Rhein entlang. Nach vielen schönen Kilometern entlang der Weinberge kam ich dann bei Bonn das erste mal wieder in den eher städtischen Bereich. Aber ich muss zugeben, dass es mir auch dort recht gut gefiel. Lediglich der nächste Abschnitt der folgte, der einmal durch das Industriegebiet vor Köln verlief, war nicht gerade ein optisches Highlight. Dafür wurde ich dann kurz vor Köln am Rheinufer mit strahlendem Sonnenschein und schöner Aussicht auf die Stadt belohnt. Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen auch den kleinen Schwenk zum Kölner Dom zu machen und mir ein kaltes Kölsch zu genehmigen (den Dom sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, wenn man schon mal in der Nähe ist, ein wirklich imposantes Bauwerk).

Kölner Dom Kölner Dom - ein echtes Highlight

Auf dem Weg durch Köln viel mir dann auch wieder ein, weshalb ich kein Fan von Großstädten bin, Stichwort „Ampeln“. Wenn du alle gefühlten 20 Meter wieder eine Ampel hast und sie JEDES mal Rot ist, dann fängst du schon mal an zu verzweifeln - bei dem ewigen Stop and Go mit vollgepacktem Rad. Nach Köln ging es dann am Rhein weiter in Richtung Düsseldorf, vorbei an Leverkusen und Neuss. Die ganzen kleineren Ortschaften, die dort auf dem Weg lagen, waren dann schon wieder eher nach meinem Geschmack. In einem kleinen Örtchen namens Langst-Kierst fand ich dann meinen nächsten Campingplatz für diese Nacht und ich glaube, ich hätte es kaum besser treffen können. Der Campingplatz lag direkt am Rheinufer, mit einem kleinen Sandstrand, den ich mir natürlich für den Abend nicht nehmen lies. Die Zeltwiese war auch wieder recht überschaubar mit 2 anderen Bikepackern belegt. Einer von ihnen war vor knapp eineinhalb Wochen in Zürich gestartet, und hatte somit schon einiges zu erzählen. Nach einem guten Abendessen und einem schönen Abend direkt am Rheinufer ging es dann um ca. 22 Uhr auch schon wieder ins Zelt.

Zeltplatz am Rhein am Abend Hier bleib ich heute Nacht - Zeltplatz am Rhein am Abend

Tag 3 - Der Grenzübergang

Auch an diesem Morgen stand ich wieder um ca. 8 Uhr auf, baute mein Zelt ab und frühstückte, die Morgenroutine eben. Nach dem Frühstück kümmerte ich mich nochmal um mein Hinterrad, da mir am Vortag auffiel das mein Reifen bei meiner anfänglichen Panne leider einen kleinen Schnitt abbekommen hatte, durch den sich der Schlauch etwas durchdrückte. Um also einer erneuten Panne vorzubeugen half ich mir mit einem Tubelessflicken, welchen ich von innen über den Schnitt legte und dann den Schlauch wieder einlegte. (Diese Methode hat mich dann tatsächlich bis an mein Ziel gebracht). Danach konnte es dann endlich weitergehen. Über einen wirklich schönen und leicht erhöhten Radweg ging es dann weiter Richtung Holland. Durch viele schöne kleine Ortschaften vorbei an Duisburg. Unterwegs begegnete ich einer netten älteren Dame auf ihrem E-Bike mit welcher ich dann mehrere Kilometer gemeinsam fuhr und mich unterhielt. Wie sich herausstellte ist sie früher auch öfters solche Touren wie ich gefahren und fährt auch heute noch gerne ihre 60-80km Touren, da ihr sonst zuhause langweilig werde. Die Dame verriet mir dann als sich unsere Wege wieder trennten noch, dass ich ihr Enkel sein könnte, immerhin werde sie nächstes Jahr schon 80. Hut ab vor dieser Dame kann ich nur sagen, in diesem Alter noch so flott auf Achse zu sein ist schon wirklich super. In einem kleinen Stadtpark an einem großen Teich, habe ich dann zur Abwechslung mal in Ruhe richtig Mittag gemacht. Die Beine waren langsam doch schon etwas schwer und wollten noch nicht so recht in Fahrt kommen. Weiter ging es nach Xanten über eine schnurgerade Landstraße, die mir geradezu unendlich vorkam. Durch Kleve hindurch über den Europaradweg ging es dann weiter zur Grenze bei Kranenburg. Und dann stand es dort plötzlich auf einem Torbogen über dem Europaweg: „Welkom in Nederland“ bzw. „Willkommen in den Niederlanden“. Ich kann euch gar nicht sagen, was für ein unbeschreiblich gutes Gefühl das war jetzt endlich mit dem Rad die Grenze zu überqueren. Kurz darauf suchte ich mir dann einen Zeltplatz für die Nacht, welchen ich dann auch auf einem nahe gelegenen Bauernhof fand. Nach einem schönen Abend mit reichlich Abendessen und einem eiskalten holländischen Bier ging es dann um ca. 22Uhr wieder ins Zelt, völlig Platt aber mehr als zufrieden.

Willkommen in den Niederlanden

Tag 4 - Das Ziel ist in Sicht

An diesem Morgen stand ich hochmotiviert schon um kurz nach 7 auf, erledigte meine übliche Morgenroutine und frühstückte. Um ca. 8:30 Uhr machte ich mich dann auf die Weiterreise, mit dem Ziel die letzten 139,90 km bis ans Meer noch an diesem Tag zurückzulegen.

Zeltplatz in Holland am frühen Morgen und weiter geht es Zeltplatz in Holland am frühen Morgen und weiter geht es

So fuhr ich durch kleinere Ortschaften und durch ein bildschönes Weinanbaugebiet. Unterwegs holte ich mir an einem kleinen Bauernstand eine Portion frisch gepflückte Kirschen und führte eine ganz nette Unterhaltung. Weiter ging es dann in Richtung Utrecht. Unterwegs traf ich durch Zufall auf zwei andere Bikepacker. Nachdem wir uns anfänglich auf englisch begrüßten und ein paar Worte wechselten, stellten wir feste das sowohl ich als auch sie aus Deutschland kamen 😃. Ihr Tagesziel war Utrecht, was auf meinem Weg lag und so fuhren wir einige Kilometer zusammen. Ich muss sagen, dass auch dies wieder eine sehr schöne Erfahrung war, die ich keinesfalls missen wollte. An einem ihrer Räder hatten sie einen Bluetooth Lautsprecher über den sie dann Musik laufen ließen. Bei einem kleinen Mittagsstopp tauschten wir auch etwas von unserem Essen, ich ein paar meiner Kirschen gegen ein paar von ihren Schokoladenriegeln. Es war schon ein wirklich schöner Abschnitt mit den beiden und ich bin äußerst froh, sie getroffen zu haben. Von Utrecht aus ging es dann weiter über Maarssen, Vinkeveen in Richtung Zandvoort. Nach 6 Stunden und 48 Minuten war es endlich soweit, ich war am Meer. Völlig überwältigt und noch leicht ungläubig, es tatsächlich geschafft zu haben, fuhr ich ein Stück oberhalb des Strandes entlang. Ich schloss mein Rad dann dort an, nahm mein Gepäck mit an den Strand, lies es vorne am Strand einfach fallen und lief samt Radschuhen, Klamotten und sogar dem Helm ins Wasser, um mich dann hineinfallen zu lassen. Ich kann euch sagen, dieses Gefühl war einfach nur unbeschreiblich gut. Auch unbeschreiblich waren die verdutzten und amüsierten Gesichter der anderen Leute am Strand, worüber ich selbst auch nur schmunzeln konnte 😃. Den Abend verbrachte ich dann noch am Strand bevor ich mir dann in Haarlem ein Hotel für die Nacht nahm.

Ankunft in Zandvoort unbeschreiblich Ankunft in Zandvoort unbeschreiblich

Tag 5 - Der Tag der Abreise

An diesem Tag stand ich um 8 Uhr auf und ging erst mal in einem der kleinen beschaulichen Cafes Haarlems frühstücken und holte mir im Anschluss in meinem Stamm-Teeladen vor Ort einen neuen Vorrat an verschiedenen Früchtetees. Im Anschluss ging es dann wieder Richtung Zandvoort, wo ich den Rest des Tages verbringen wollte. Der Weg dorthin führte mich durch die wunderschönen Dünen dort, welche sich mit dem Rad sehr gut befahren ließen. Allgemein kann ich es jedem nur empfehlen, die Dünen dort mal zu besuchen, egal ob mit dem Rad oder zu Fuß. Diese Ruhe die dort herrscht ist einfach unbeschreiblich und mit kaum etwas zu vergleichen. Nachdem ich den Tag am Strand verbracht hatte, ging es dann mit dem Rad nach Amsterdam von wo aus ich mit dem Flixbus wieder nach Hause fuhr. Ein Moment wird mir dabei wohl immer im Gedächtnis bleiben: Ich stand kurz vor meiner Abfahrt nochmal oberhalb des Strandes und warf einen letzten Blick auf das Meer, in dem sich die schon tiefer hängende Sonne spiegelte. In diesem Moment war ich einfach nur überwältigt, unglaublich erleichtert, stolz und auch ein wenig traurig zugleich. Und ja, womöglich habe ich auch die ein oder andere Träne verdrückt, aber es waren Tränen der Glückseligkeit.

Abschied von Zandvoort

Fazit:

Alles in allem kann ich sagen, dass dies sicherlich nicht meine letzte Radreise war und ich es immer wieder genau so machen würde und es auch jedem nur ans Herz legen kann ,so etwas mal selbst zu machen. Ich habe noch nie in einem Urlaub meine Umgebung, die Menschen und die Kultur so intensiv wahrgenommen wie in dieser Zeit. Die Erinnerungen die man von solch einer Reise mitnimmt übertreffen jedes noch so teure Andenken, das man sich kaufen kann - und werden für ewig bestehen.

In diesem Sinne bleibt mir nur zu sagen:

Ride on, passt auf euch auf und habt Spaß auf eurem Rad.

Euer Lars 🙂

Abschluss meiner ersten Bikepacking Tour Abschluss meiner ersten Bikepacking Tour